Archiv für August 2011

08.09.2011 – MY DISCO & PTTRNS

@ Cairo Würzburg
Einlass: 21:00 Uhr
Beginn 21:30 Uhr

My DiscoMY DISCO (Melbourne, AUS; Temporary Residence Ltd.)

Der Postpunk/NoiseRock des klassischen Schlagzeug-Bass-Gitarre-Trios erinnert zuweilen an Shellac, aber jetzt kommt’s: Die Australier sind noch eine Stufe minimalistischer als eben jene! Punktgenauigkeit und Tightness bei treibenden Rhythmen sind die krauteske Devise. Das Trio aus Melbourne war unter anderem schon mit Sonic Youth und Xiu Xiu auf Tour. Ihr neues Album „Little Joy“ hat Shellacs Steve Albini in seinen Electric Audio Studios in Chicago aufgenommen, was besser nicht passen könnte.
 Der geschmackssichere Plattenversand Flight 13 schreibt dazu: „Was die hier abziehen, ist pure Entschlackung. Das Grundgerüst ist simpel, aber megaeffektiv, der Druck, den sie entfachen, enorm, der Raum, den sie erzeugen, ist schmal, lang und tief. Der Tunnelblick schärft sich in der repetitiv-donnernden Hypnose auf die kleinen Dinge, die rythmischen Fillings und kleinen Veränderungen und Details im Gewitter oder kurze Feedbackexplosionen.“ Laut und kraut!
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PttrnsPTTRNS (Köln, D; Altin Village & Mine)

Die mittlerweile zum Quartett gewachsene Band wurde nach ihrem fulminanten Debüt-Album „Science Piñata“ (Altin Village & Mine) von gut informierten Expertenkreisen bereits hoch gehandelt. Nun legen sie mit der 12“ Vinyl-Serie „Love Quest“ nach, die jeweils einen neuen Song und Remixe der „Science Piñata“-Sessions beinhaltet. PTTRNS bringen uns eine mitreißende Melange aus Postpunk, Disco und Afrobeat mit polyrhythmischen Arrangements und Pop-Affinität. Irgendwer meinte mal, PTTRNS klängen „wie das uneheliche Kind von den Talking Heads und Prince“ (ungefährer O-Ton). So oder so: Sowohl live als auch auf Tonträger ganz groß – nicht nur wegen der Großbuchstaben!
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17.09.2011 – SHOKEI

@ Plattenladen H2O Würzburg (Karmelitenstr.)
Einlass: 20:30 Uhr
Beginn 21:00 Uhr
EINTRITT FREI!

ShokeiSHOKEI (Bad Bocklet, D; Altin Village & Mine)

„Zwei Schlagzeuge + Gitarre + Bass = mehr Punk als ihr, seit 2004 (spätestens)!“

Ja, klar: Shokei können ihr Publikum verstören (siehe Foto, Umsonst und Draußen Würzburg 2010). Und ja, klar: Shokei können die Erwartungen ihres Publikums zerstören (etwa die auf ein normales Konzert ohne Fotografierverbot und Publikumsbeleidigungen). Aber wenn man die ganze Verstörung und Zerstörung einmal beiseite lässt, erkennt man eine Band, die in erster Linie eines ist: geil. An diesem Abend vor allem geil zu spielen, nach über einem Jahr Pause.

Aber auch geil, einfach nur. Geil, weil es eben doch eine Schnittmenge zwischen Punk und Hippietum gibt. Geil, weil zwei Schlagzeuger einfach besser sind als einer. Geil, weil sich verdammt ernste Texte über Selbstzweifel, Beziehungen und dergleichen auch so präsentieren lassen, dass man nicht gleich weinen muss. Geil, weil Räucherstäbchen 2011 offenbar mehr Leute anpissen als bunte Iros und schimmelige Lederjacken. Eben geil.

„Fugazi mit Düsenantrieb“ hat einmal jemand vor geraumer Zeit über Shokei geschrieben. Die Band hat’s gefreut, aber es trifft den Kern der Sache nicht. Wo oder was dieser ist, lässt sich am Würzburger Stadtfest erkunden, am Samstagabend, im Plattenladen H20. Am besten ganz nah ran an die Band – und fühlen, denn alles was da ist, darf auch berührt werden. Es ist der erste Auftritt des Quartetts in einem Plattenladen, nach fast 200 Shows an diversen, teils geilen Orten (auf einem Parkplatz in Oslo, in einem ehemaligen Offizierskasino in der tschechischen Provinz oder auf einer Kegelbahn im Kölner Spezialistenviertel Kalk). Es gibt neue Songs und neuen Merch (Flachmänner, Marmelade, T-Shirts mit und ohne Batik, Bademäntel, Jeansjacken, Grillschürzen, Schlagzeugsticks und vielleicht sogar Spielfiguren). Es wird – nach diversen Singles und Kleinformaten – ein Album, nein, das erste Shokei-Album überhaupt geben, aber erst 2012.

Es gibt Zweifel vor dieser ersten Show nach langer Pause. Es kann grandios in die Hose gehen, es kann aber auch einfach nur grandios werden. Eben geil.

PS: Diesmal ohne Fotografierverbot. Versprochen.
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